-37- Die Brücke - eine Geschichte gegen die Diktatur Der Mann suchte den Weg in die Freiheit. An der Grenze schossen sie auf ihn. Eine Kugel riss ihm die Hüfte auf. Er blieb liegen und verlor viel Blut. Von den Grenzsoldaten wurde er in diese Hütte gebracht, die neben einer hölzer- nen Brücke stand. Die Brücke führte über einen Bach im Sumpf. Sie wurde bewacht. Der Mann wusste, sie hielten ihn für einen Verräter oder Spion. Er war weder Verräter noch Spion. Aber das änderte nichts. Er lag auf einem Strohsack und stöhnte. Seine Hüfte schmerzte. Draussen flüsterte Wasser. Das war der Bach, den sie zur Grenze gemacht hatten. Auf der anderen Seite dehnte sich sumpfiges Niemandsland. Dort hatte die Morgen- dämmerung ihn überrascht, weil er zu langsam durch den Sumpf voran gekommen war. Er erinnerte ihre Rufe, als sie ihn entdeckten. Er lief. Sie schossen. Die Kugeln liessen feuchte Erde spritzen. Er warf sich hin, schmiegte sich an den Boden, der zu saugen begann. Er hielt aus, bis Arme und Beine versanken. Er dachte: ich versaufe oder sie knal- len mich ab. Nein! Er befreite sich von der saugenden Wassererde, sprang auf, war Zielscheibe. Es war ein kurzer Schlag. Er genügte, um ihn hinzuwerfen - auf ein Grasbüschel. Es wurde der einzige feste Punkt in seinem Leben. Er lag zusammengekrümmt und blickte zum Wald jenseits des Sumpfs hinüber.--- Dort wäre er frei gewesen. Die Schmerzen begannen, als sie ihn hinüber schafften. Das Verhör begann. Er bekam einen Stuhl. Links und rechts < vorherige Seite zum Inhaltsverzeichnis zur Startseite nächste Seite >