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	Die Glaskugel - eine Geschichte gegen die Gleichgültigkeit
	
	Was zu schildern ist, geschah in einer Kleinstadt kurz
	nach dem Krieg. Es erregte die Öffentlichkeit nicht mehr
	als ein kleiner Stein, der in den Stadtteich geworfen wird.
	Die Wasserfläche liegt sehr bald wieder träge. Wir achten
	auf solche Zeichen nicht.
	In der Straße, an der meine Wohnung lag, begegnete mir
	oft ein Junge. Er hatte ein leeres Gesicht - wie Steppe
	in Russland, die unter Sonne versengt ist. Manchmal ging
	eine Bewegung über sein Gesicht. Sie schien wie ein Wind-
	hauch, der etwas bewegen könnte. Die Augen des Jungen lagen
	tief in ihren Höhlen. Sein Haarwuchs war spärlich mit einem
	Wirbel auf dem Hinterkopf, der auffiel. Der Körper war
	schmächtig, Arme und Beine hatten knochige Gelenke. Hunger
	hatte das Wachstum verzerrt. Es war schwer, sein Alter
	zu schätzen - nicht unter zehn, vielleicht zwölf?
	Ich hörte das Gespräch, das ein Bettler mit dem Jungen
	führte. Der Bettler durchsuchte den Inhalt der Mülleimer,
	die vor den Hauseingängen standen. Not herrschte nach dem
	Krieg.
	"Du fragst, was ich hier mache?" sagte der Bettler,
	er hustete. "Was wohl? Keiner gibt mir was, also nehm ich
	mir was. Soll ich verhungern? " Er wischte sich den Mund
	mit einem Handrücken, der getrocknete Blutspuren trug.
	Es war Nachmittag im Frühling. Der Wind wehte kalt
	durch die Straße.
	"Wenn dir keiner was gibt -" sagte der Junge und zögerte
	"- wenn dir keiner was gibt, ich kann dir was geben. Sieh'
	mal, was ich hier hab'."
	Ich blieb stehen.
	 
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